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Mini-ArmbrustEs ist doch immer wieder erstaunlich, zu welch interessanten Projekten es in so manchen Heimischen Gefilden kommt. Unsere Aufmerksamkeit gilt heute einer voll funktionsfähigen Compound-Armbrust in Miniaturausführung. Und das Beste: Sie funktioniert! Sogar recht gut, wie eine Zwiebel am eigenen Leib erfahren musste, dazu aber später mehr.

Miniatur im wahrsten Sinne des Wortes, denn die gesamte Armbrust passt mit ihren Abmessungen von 13 x 16,5 cm gut auf eine Hand.

Ja richtig gelesen, denn größer ist die Armbrust tatsächlich nicht! Guck lieber noch mal hin, denn da traut man doch seinen Augen nicht, oder?


--- Update: --------------

Der Erbauer der Miniarmbrust hat uns Videos zukommen lassen, so, dass die Funktion der Gerätschaft nun auch in Real gezeigt werden kann. Auch das Schienensystem ist fertig, sogar noch gekrönt durch ein Zielfernrohr. Sowohl das Schienensystem als auch das neue Zielfernrohr ist auf den Bildern recht gut erkennbar.

Zum Spannen gibt es nun zwei Möglichkeiten: Entweder man zieht die Sehne regelrecht mit der oberen im Bild dargestellten Spannkralle in die Sehnenkralle ein. Oder zweitens, man benutzt die im Bild untere dargestellte Spannkralle und drückt mit ihr die Sehne Richtung Abzugssystem. Auf der Druckseite der Kralle sind dafür entsprechende Nuten eingearbeitet. Die Funktion wird im Video vorgeführt.  Ja genau,  seht selbst...

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 Mini-Armbrust


Weitere Videos gibt es auf Google-Video.de zu sehen, und zwar von dem Schuss auf die Zwiebel aus 5m Entfernung,  Schießen aus 8m Entfernung und dem Schießen aus 12m Entfernung. Bei letzterm werden hauptsächlich die Genauigkeit der Trefferbilder dargestellt. Im unteren Teil unseres Artikel ist auch die Fotogallerie des Erbauers velinkt, bestimmt hat der eine oder andere Lust bekommen, drin zu schmökern...
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Aufmerksam wurden wir auf das Projekt durch eine Anfrage im Bogensportforum nach geeignetem Sehnenmaterial. Denn auch dieses musste ja auf diese winzige Größe geschrumpft werden.

Nach nunmehr zweijähriger Bauzeit ist das Wunderwerk geschafft. Aber das Vorhaben gibt es bereits seit drei Jahren. Um genau zu sein, eigentlich entstand die Idee schon in der Schulzeit des Erbauers, sogar in Form erster kleinerer  Versuche. Und nun? Jetzt ist es bereits die fünfte Version. 200 tatsächlich geleistete Arbeitsstunden, mehrmals mussten während dieser Zeit sämtliche Teile neu- oder umgebaut, angepasst oder verbessert werden. Und irgendwie wird’s der Leser schon fast erahnen: Neue Ideen für ein Folgeprojekt der nächsten Generation sind bereits während des Baus gereift.

Aber nun ist sie ja da! Zwar extra auf Mini geschrumpft, dafür aber mit maximaler Ausdruckskraft.

Mini-ArmbrustGeteilte Wurfarme aus CFK (Carbon-Faserverstärkter Kunststoff), an der Basis mit max. 3 Lagen verstärkt und auf die übrige Länge verjüngend gefräst. Denn genau wie bei unseren Sportbögen musste auch hier eine gleichmäßige durchgehende Biegung der Wurfarme gewährleistet werden.

Eine handelsübliche eloxierte Alu-Leiste bildet den Schaft. Dieser ist durch Hohlschliff mit einer Pfeilführung ausgestattet, um eine bessere Führung des Pfeils zu gewährleisten. Auch sämtliche Anbauteile, wie Wurfarmbefestigungen, Umlenkrollen, Rollenhalter und andere Kleinteile sind ebenfalls aus Alu gefertigt. Lediglich der Armbrust-Kolben besteht exklusive  aus lasiertem Buchenholz, und ist wunderbar der Form originaler Kolben nachgebildet.

Mini-ArmbrustAber zurück zu dem ursprünglichem Problem aus dem Forum: Nämlich geeignetes Sehnenmaterial zu finden, dass den gestellten Anforderungen gerecht wird. Letztendlich war geflochtene Dyneema-Angelschnur die richtige Wahl, geschützt durch einlagige Wicklungen. Die Mittelwicklung wurde gleich aus drei Lagen hergestellt und ist dadurch abriebfest und hoch belastbar.

Im Schaft wurde eine Ausfräsung eingebracht, in dem der Kabeltrenner (aus Delrin/POM) entlang läuft.

Beim Rollensystem ist der Erbauer von dem üblichen Compoundsystemen abgewichen. Es ist hier mit einem einfachen Flaschenzugprinzip ausgestattet, besitzt auch kein getrenntes Sehnen- und Kabelsystem. Demzufolge ist auch kein Let-Off vorhanden. Die Armbrust spannt sich vom Gefühl her im Prinzip wie ein Bogen. Für ein verbessertes realitätsnahes Compound-Rollensystem müssten spezielle exzentrische Rollen gefräst werden. Momentan war das jedoch bei der 8mm Rollengröße noch nicht realisierbar.

Mini-ArmbrustInteressantes gibt es auch vom Abzugsystem zu berichten: Es arbeitet lediglich mit zwei beweglichen Teilen aus gehärtetem Stahl. Betätigt man den Abzugshahn, so öffnet sich die Sehnenkralle nach oben und gibt nach und nach die Sehne frei. Dadurch ist gewährleistet, dass die Sehne immer Kontakt mit der Pfeilführung, der Pfeil wiederum immer Kontakt zur Sehne hat.

Mini-ArmbrustSo, und nun zu den Pfeilen. Denn wer denkt, X10er sind die Krönung des Filigranen, der kennt die Werte der Mini-Armbrust-Bolzen noch nicht:

- CFK-Mikroröhrchen, insgesamt 103 mm lang
- 2,5mm stark und natürlich mit gedrehter Stahl-Spitze
- Halbmond-Nocken aus Kunststoff
- befiedert mit dünnem, farbigen Geschenkband
Und minimalistisch auch das Gewicht: Ein Bolzen wiegt ca. 1 Gramm.

Die Armbrust hat eine effektive Spannkraft von ca. 7 lbs. und einen Auszug von 6,4cm. Das Abzugsgewicht beträgt nur ca. 100 Gramm.

Mini-ArmbrustDabei haben die Pfeile immerhin so viel Kraft, dass sie den recht festen 3 mm starken Passepartout-Karton durchschlagen. Ein einzelner Bolzen fliegt relativ präzise mit einem Streukreis von ca. 2cm auf 10m. Jedoch bedingt durch die äußerst präzisen Fertigungsanforderungen bei den Pfeilen gibt es innerhalb der gesamten Pfeil-Serie eine größere Streuung. Selbst durch das extra dafür angefertigte Befiederungsgerät konnte eine gleichmäßige Befiederung noch nicht präzise genug gewährleistet werden.
Mini-Armbrust
Die Eingangs erwähnte arme Zwiebel hatte übrigens keine Chance, in ihr ist der Pfeil bis hin zu den Federn drin verschwunden.

Zum Spannen der Armbrust benutzt man eine einfache Draht-Kralle, denn mit den Fingern ist das etwas pfriemelig. Die Spannkralle ist auf dem oberen ersten Bild des Beitrages (sie liegt unter der Hand) halbwegs gut zu erkennen.
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Zum Zielen steht ein "Diopter"-System zur Verfügung, aber das ist aufgrund der geringen Größe recht gewöhnungsbedürftig. Möglicherweise ließe sich das durch ein Schienensystem noch verbessern.

Bedenkt man, dass die Armbrust und ihre Bestandteile hauptsächlich in Handarbeit gefertigt wurde, so beeindruckt das Ergebnis doch umso mehr. Denn professionelle Maschinen, wie eine Drehbank oder ein Frästisch standen dem Erbauer nicht zur Verfügung.

Lediglich eine einfache Standbohrmaschine, die er mittels simpler Vorrichtungen für Dreh- oder Fräsarbeiten zweckentfremden konnte. Ansonsten waren Handsäge, Schlüsselfeilen und Mess-Schieber die wichtigsten Instrumente.

Regelrechte Auftragsarbeiten sind auf Grund der immensen Arbeitsleistung und der eingeschränkten Fertigungsmöglichkeiten seitens des Erbauers zwar nicht möglich. Möchte aber jemand ähnliche Projekte ins Leben rufen, so steht er für Antworten und Hilfestellungen gern zur Verfügung, d.h., soweit es ihm möglich ist. Man kann und darf ihn dazu unter seiner Email-Adresse kontaktieren:

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Abschließend noch einige Impressionen...

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Die komplette Fotoserie findet man auf der Bildergallerie des Erbauers.

     (C) www.Bogenwiese.de
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Autor:
Fotos:

Holger Hüning (c)
mit freundlicher Genehmigung von Martin Kahn (c)
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