Bogensportclub BB-Berlin e.V. (ehem. Bergmann Borsig Berlin Abt. R+C Bogenschießen)

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Worldgames: Zwei Medaillen für Deutsche Bogenschützen
Sonntag, den 26. Juli 2009 um 10:47 Uhr

Worldgames 2009 in Kaohsiung (Taiwan)

Genial! Gleich zwei Medaillen errangen unsere Bogenschützen zu den Worldgames, die im taiwanesischen Kaohsiung  für die Sparte Feldbogenschießen vom 24. bis zum 26. Juli 2009 ausgetragen wurden.

Doch zuvor während der Qualifikationsrunden auf den unbekannten und bekannten Entfernungen mussten sich unsere DSB-Schützen ersteinmal ihre Finalplätze und somit die Chancen auf Medaillen herausarbeiten, woraus sich dann drei Chancen auf Edelmetall ergeben hatten. Dieses in einem Feld aus Weltklasseschützen, wie es hochkarätiger kaum sein kann. Über die spannenden Ausscheidungswettkämpfe der Worldgames 2009 berichteten wir bereits.

Nun traten für den Deutschen Schützenbund im Finale der jeweils besten 4 Bogenschützen der mehrfache Weltmeister Sebastian Rohrberg (Recurvebogen-Herren), die WM-Dritte von 2008 Lisa Unruh (Recurvebogen-Damen) und die WM Bronze-Schützin Monika Jentges (Blankbogen-Damen) an. Hochkarätig Gegner, spannende Matches sollten bevorstehen. Während dieser Finalmatche werden 4 unterschiedliche bekannte Entfernungen mit jeweils 3 Pfeilen geschossen, der höchste Wert auf der Scheibe ist die 6, der tiefste eine 1.

Monika Jentges war mit ihrem Blankbogen als erste an der Reihe, hatte als Gegnerin die amtierende Worldgames-Meisterin von Duisburg 2005 Christine Gauthe (FRA) zu bezwingen. Doch die französische Gegnerin hatte Startschwierigkeiten, beendete ihre erste Serie mit einem Fehlschuss, Führung 9:6 für Germany. Diesen Dreipunkte-Vorsprung konnte Monika Jentges auch in der zweiten Serie halten, musste davon lediglich in der dritten Serie einen Ring abgeben. Doch in der vierten und somit letzten Serie das Desaster des letzten Schusses. Ein Fehlschuss, der die DSB-Schützin in den entscheidenden Rückstand brachte. Die Goldhoffnung war somit begraben, 34:38 bedeuteten für Monika Jentges einen neuen Anlauf im kleinen Finale im Kampf um Bronze.

Als nächste war nun die Berlinerin Lisa Unruh mit ihrem Recurvebogen an der Reihe. Ihre Gegnerin die amtierende Feldbogen-Weltmeisterin von 2008 Jessica Tomasi (ITA), die bereits auch in den beiden Vorrunden das Teilnehmerfeld deutlich angeführt hatte. Und ihre Klasse bewies sie nun auch im Semifinale. Pfeil um Pfeil baute die Italienerin ihre Führung gegen die deutsche Bogenschützin aus. Am Ende hieß es 54:48 für Italien und für Lisa eine neue Chance im kleinen Finale auf Bronze.

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  Sebastian Rohrberg, Archivfoto: Hier beim Einsatz während der Bundesliga 2006/07
 

Einen Schützen hatte der Deutsche Schützenbund noch in Reserve, Sebastian Rohrberg. Immerhin ist er dreifacher Weltmeister, seine Goldenen im Laufe der Jahre schön verteilt auf die Feldbogen-WM's und Hallen-WM. Ein Schütze der zum Großteil auf das Feldbogenschießen spezialisiert ist, aber eben auch auf den FITA-Entfernungen in der Weltspitze ganz vorn mitschießen kann. Hier zu den Worldgames im Semifinale traf er auf die Bogensport-Legende Michele Frangilli (ITA). Auch dieser ein Spezialist auf dem Feldparcours und den FITA-Distanzen, seit ca. einem Jahrzehnt ebneten etliche Weltmeister- und Worldgames-Titel seinen Weg. Auch hier ein spannendes Duell der Spitzenklasse. Doch Frangilli schien Siegchancen des Deutschen gar nicht erst zu dulden, schoss von der ersten Serie an seine Führung heraus. 12:10 in der ersten Serie für Frangilli, 27:24 dann in der zweiten Serie, und 42:37 nach Abschluss seiner dritten Match-Serie mit den jeweils drei geschossenen Pfeilen. Die 6 wäre dabei die höchst pro Pfeil erzielbare Wertung. Für Rohrberg bereits alles verloren? Mitnichten, denn der Deutsche findet wieder zurück in das Match, knallt alle drei seiner Pfeile eng beieinander in die goldene Mitte der ansonsten schwarzen Feldbogenscheibe, drei Mal 6! Sebastian Rohrberg ist zurück, es steht Unentschieden: 55:55. Mit dem folgenden einzigen Schuss eines jeden der beiden Kontrahenten entscheidet ein Tiebreak über Sieg oder Niederlage. Beide Schützen schießen je eine 4, jeweils unten links. Der Nervendruck wächst, denn ein zweiter Entscheidungspfeil muss her. Den setzt Frangilli oben in die 4, Rohrberg hingegen driftet weiter nach unten links ab, dort nur eine 1. Michele Frangilli zieht in das Finale um Gold ein, dieses gegen den bisher jederzeit überlegen schießenden US-Amerikaner Victor Wunderle. Sebastian Rohrberg hingegen tritt gegen den in der internationalen Bogenszene noch wenig bekannten Japaner Yuki Sakaeyama im kleinen Finale im Kampf um Bronze an.

Die Semifinals sind nach und nach abgeschlossen, es folgen die kleinen Finals um die Bronze-Medaillen. Wiederum drei DSB-Starter, somit drei Medaillenchancen.

Monika Jentges ist mit dem Blankbogen die erste unserer Schützinnen. Sie trifft hier auf die Amerikanerin Julie Robinson, die ihrerseits im Semifinale der Italienerin Eleonora Strobbe deutlich unterlag. Hier im Kampf um Bronze behält jedoch die Deutsche Monika Jentges jederzeit knapp die Oberhand und gewinnt somit mit 41:38 die Bronzemedaille. Wir gratulieren ihr zu diesem Erfolg.

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  Lisa Unruh, Archivfoto: Beim Einsatz während dem Finale der Bundesliga 2007/08
 

In der Klasse Recurvebogen schießt im Damenfeld nun Lisa Unruh von Bergmann-Borsig Berlin um eine Bronzemedaille gegen die Britin Naomi Folkard. Spannen und hochkarätig sollte es werden, dabei bis zum letzten Pfeil knapp, die Kontrahentinnen schenken sich nichts. Mit 14:13 geht Lisa nach der ersten Serie ersteinmal in Führung. Die zweite Serie schießen beide Schützinnen mit 5/5/4 gleiche Wertungen, noch immer ein Ring Vorsprung für Lisa Unruh, 28:27. In der dritten Serie schwächelt Naomi Folkard und schießt nur 11 Ringe, Lisa hingegen weiterhin konstant 14, es steht 42:38. Doch dann in der vierten Serie auf der 60-Meterscheibe bei Lisa alle Schüsse tief, während die Britin gleich ihren ersten Schuss mitten im 6er-Gold versenkt. Naomi Folkard kann hier mit 13:8 alles rausholen und gewinnt Bronze. Lisa Unruh bleibt der 4 Platz.

Im Kampf um Gold setzte sich die Französin Carole Ferriou gegen die Italienerin Jessica Tomasi durch. Vom ersten Pfeil an konnte Carole Ferriou ihre Führung klar behaupten, die sie bis zum letzten Schluss auch nicht mehr abgab. Die französische Schützin meldet sich somit wieder eindrucksvoll zurück in der internationalen Feldbogenszene.

Es bleibt aus deutscher Sicht noch Sebastian Rohrberg, der nun als Gegner im Bronze-Finale den Japaner Yuki Sakaeyama zu bezwingen hat, dieser international wenig bekannt, sicher eine einfach zu bewältigende Aufgabe....

...vermeintlich jedenfalls. Doch bei diesen Worldgames schießt die Weltspitze, zu der sich im Feldbogen auch Yuki Sakaeyama zählen darf. In der ersten Serie auf einer 15-Meterscheibe führt zwar Rohrberg mit 15:13, doch der Japaner arbeitet sich in der zweiten Serie auf den 25 Metern heran, durch ein 16:14 herrscht nun zur Halbzeit Gleichstand. Dann auf 45 Meter der Führungswechsel, denn Sakaeyama hat nun durch 11:10 einen Ring Vorsprung, es steht 40:39 für den Japaner. Auf der längsten der Entfernungen, den 60 Metern scheint Sakaeyama den Schwierigkeitsgrad der Scheibe nicht richtig eingeschätzt zu haben, sein erster und zweiter Pfeil landen unten links in der 3 und 4. Rohrberg hingegen Platziert seine Bündel in der 5 und 4, nun wieder ein Ring Vorsprung für den Deutschen, der letzte Pfeil muss die Entscheidung bringen. Während der letzte Pfeil von Rohrberg links in die 3 abdriftet, war die Korrektur des Japaners zu viel des Guten, sein Pfeil rechts in der 3. Sebastian Rohrberg gewinnt mit 51:50 Ringen Bronze! Wir gratulieren zu diesem weiteren Erfolg in seiner Bogenlaufbahn.

Gold holte in der Klasse Recurvebogen der bei diesen Worldgames jederzeit dominierende US-Amerikaner Victor Wunderle, den im Finale selbst ein herausragend schießender Michele Frangilli (ITA) nicht ernsthaft gefährden konnte.

Für einen herausragenden Erfolg des Österreichischen Bogensportverbandes sorgt Petra Goebel mit dem Compoundbogen. Die Bronzemedaillen-Gewinnerin der Worldgames von 2005 traf im Semifinale zunächst einmal auf die Kroatin Ivana Bude, die bereits dieses und letztes Jahr zu den Weltcups Erfolge feiern konnte. Eine leichte Führung zwar noch für Petra Goebel in der ersten Serie, doch diese verringert sich Zunehmens bis es dann in der dritten Serie mit 43:43 Gleichstand heißt. Erst die letzte Serie kann die Österreicherinl mit einer zwar leicht tief liegenden, dafür aber beinahe perfekt eng gruppierten 6/5/5er-Gruppe den Sieg und somit den Einzug in das Goldfinale perfekt machen.

Das Finale um Gold im Compoundbogen der Damen dann eine Herausforderung, denn sowohl Petra Goebel als auch ihre Gegnerin Ingeborg Renata Enthoven-Mokkenstorm (NED) liegen mit jedem Schuss Kopf an Kopf, und zwar mit dem Winzigkeit eines einzigen Ringes Abstand. Erste Serie Gleichstand 17:17 von je 18 Möglichen. Danach geht die Holländerin mit 33:32 in Führung. Doch Petra Goebel kann sich auf die dritte Scheibe mit den 45 Metern besser einstellen, geht dort mit 14:12 selbst in Führung, es steht 46:45. Auf der letzten Entfernung nun die längste Distanz, 60 m. Beide schießen ähnlich hoch liegende Trefferbilder, am Ende auch gleiche Wertungen 14:14. Doch den einen Ring Vorsprung aus der dritten Serie konnte Petra Goebel eben durch den Gleichstand gut verteidigen, gewinnt in der Damenklasse Compound die Goldmedaille. Unser Glückwunsch geht an die Bogenschützin aus Österreich.

Mit ihren 12 Starten in den 3 Bogenklassen REcurvebogen, Compoundbogen und Blankbogen, nachfolgend 3 Chancen auf Edelmetall und letztendlich 2 umgesetzten Bronze-Medaillen konnten sich die Bogenschützen des Deutschen Schützenbundes wieder einmal gut auch in der Disziplin Feldbogenschießen in der Weltspitze präsentieren. Wir gratulieren den Teilnehmern zu ihren Erfolgen und den Platzierungen.
 

Bericht: Holger Hüning (c)
Fotos in ihrer Reihenfolge: Wolfgang Schwarz (c)

 

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