Bogensportclub BB-Berlin e.V. (ehem. Bergmann Borsig Berlin Abt. R+C Bogenschießen)

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Im Gespräch mit Christina Schäfer
Bogenwiese Leistungssport - Bundeskader vorgestellt
Wednesday, 10 December 2008 00:00
Im Gespräch mit Christina SchäferSind es doch oft gerade diese kleinen grundlegenden Technikelemente, die große Auswirkungen auf ein enges Trefferbild haben. Druckpunktarbeit sollte das Thema für unseren neuesten Artikel aus dem Bereich Tipps und Tricks /  Trainingsmethodik sein. Bilder sprechen tausend Worte, ein Video spricht für sich. Und wer könne dies wohl am besten vorführen, wenn nicht einer der Kaderschützen am Bundesstützpunkt-Berlin. Christina Schäfer, die sich bereitwillig gern für die Aufnahmen zur Verfügung stellte wollen wir euch heute bei der Gelegenheit gleich auch vorstellen. Für den Bundestrainer Martin Frederick eine willkommene Gelegenheit, zusammen mit unseren Aufnahmen dieses Technikdetail mit Christina auch gleich mal zu trainieren.

Warum auch nicht, wird sich der Leser fragen.

Im Gespräch mit Christina SchäferDoch ganz so bereitwillig für Rat und Tat darf sie nicht immer sein, sind es doch oft die kleinen Ablenkungen, durch die Christina nicht immer ihr immenses Trainingspensum schaffen könnte. Ab und an geht sie daher auch mal zu Trainingszeiten auf den Platz, wenn nicht ganz so viel los ist, sie ohne wenn und aber schießen kann. Denn in der Summe ist es ein gewaltiges Pensum, 800 Schuss in der Woche, mindestens. 3500, manchmal sogar bis 4000 Schuss im Monat. Dieses genauestens abgestimmt auf Trainingspläne, Saisonleistungen und Wettkampfhöhepunkte, dazwischen immer mal wieder Lehrgänge. Jeden Tag schießen, zusätzlich noch Ausdauer und Krafttraining.

Wollen wir uns erst einmal das von Christina geschossene Material ansehen. Als erstes fällt auf, absolut nichts Außergewöhnliches. Keine Materialien, die vermeintlich in geheimen Forschungslaboratorien gerade erst ausgetüftelt werden. Eher ist es Material, was auch jeder von uns bei den üblichen Bogenhändlern ordern kann. Hoyt Nexus mit - Mooooment mal - ja, mit seit heute neuen Wurfarmen, den Hoyt 900 CX. In der Halle eine einfache Regi Rest-Klebeauflage, ja, ihr wisst schon, die mit dem zweifach gebogenen Draht. Liegt aber auch ein bisschen daran, dass viele der Klebeauflagen nach unten hin zu lang sind, wie Martin Frederick daraufhin meint, und bei dieser Auflage gibt es da keine Probleme. Dann wäre natürlich der Beiterbutton aufzuzählen, auch ein komplettes Beiter-Stabisysem mit kurzem Extender. Ein SureLoc Quest-X sehe ich ebenso am Bogen. Bei den Pfeilen wird es da schon interessanter. Denn in der Halle benutzt Christina Easton X7 1914er Alus mit langer Naturbefiederung, diese mit Kugelnocks. Kennt vielleicht nicht jeder? Auf der Sehne befindet sich eine kleine Metallkugel, auf der die Pfeile regelrecht einrasten. Denn diese Kugelfläche ist in Form eben dieser Kugelaushöhlung absolut passgenau in der Nocke eingearbeitet. Kurz noch mal zurück Im Gespräch mit Christina Schäferzu den Wurfarmen, denn es sind 42 lbs.-Arme, insgesamt ein 68-Zollbogen. Jedoch durch ihren kurzen Auszug von 26'' hat Christina lediglich 'nur' 39 lbs. auf den Fingern. Natürlich hätte man hier auch einen 66-Zollbogen nehmen können. Nationaltrainer Martin Frederick gibt zu bedenken, dass es im Sinne eines angenehmen Endzuges international eher den Trend gibt, zu längeren Bögen zu tendieren, daher auch hier statt des 66-Zollers ein 68-Zollbogen. Dazu passend eine 16-Strang Fast-Flight-Sehne. Richtig gelesen, Fast-Flight, NICHT Fast-Flight Plus. Denn - wie sie sagt - damit hat sich ihr Trainer bei Zeiten reichlich eingedeckt, so dass dieses nun nach und nach aufgebraucht wird. Mir fällt auf, dass das Leder ihres Cavalier Elita-Tabs mit Ankerplatte kaum abgenutzt ist. Ja, der hält auch schon ne ganze Weile, meint sie. Der Bundestrainer kann dies betätigen, denn dieses Cordovan als Tableder ist beinahe unverwüstlich. Bliebe noch der Shibuya-Brustschutz zu erwähnen, der sich bei den Kadern großer Beliebtheit erfreut, und dann noch ein Armschutz von Win&Win.

Nun aber zurück zum Training, jeden Tag also, und sehe sie fragend an. Als die 26 jährige Bundeskaderschützin mir das erzählt, blickt sie mich absolut selbstbewusst an. Na klar, jeden Tag! Ich frage sie, ob das auf Dauer nicht langweilig wäre, oft allein, tagaus tagein. Nein! Absolut nicht, denn sie habe ein Ziel. Kaderschützin wollte sie eh schon immer werden. Dafür natürlich die entsprechenden Leistungen bringen, und zu Weltmeisterschaften und Olympia sowieso. Für solche Ziele muss man halt was tun.

Im Gespräch mit Christina SchäferManchmal heißt es eben auch dabei, die Zähne zusammenzubeißen. Zum Beispiel so wie heute. Diese fiese kleine  Nocke, deren Bruchstelle bestimmt kaum zu sehen war. Mit ohrenbetäubenden Lärm dann mitten im Training der Leerschuss. Die Sehne ist dabei genau in den Arm gegangen. Wir haben ringsherum alle mitgelitten. Glaubt mir, es tat schon beim Hinsehen weh. Direkt gegenüber im Olympiastützpunkt wurde die Wunde erstmal verbunden. Und nun, kaum eine halbe Stunde später steht sie wieder an der Linie, spult ihr Pensum ab.

Bei solch einer Verletzung hätte Christinas Papa ihr bestimmt auch wieder Mut zugesprochen, so wie noch letztes Jahr, und überhaupt, all die Jahre davor ebenso. Das es doch weitergehen muss, die nächste Aufgabe, die zu bewältigen ist. Oft war er bei, eigentlich immer, so oft es ging, selbst bei jedem Wettkampf. Als sie mir das erzählt, senkt sich ihr Blick, denn sie trauert noch immer. Wollte nach seinem Tod beinahe das Schießen beenden. Doch nie im Leben hätte er dem zugestimmt. Aber eigentlich will sie ja, will noch mehr, viel mehr. Klar, auch wenn die Trauer groß war und auch noch ist, es war eigentlich nie eine Frage aufzuhören, eher ein festes Versprechen weiterzumachen.

Überhaupt ist die gesamte Familie mit diesem Bogenvirus infiziert. Da erinnert sie sich, wie alles mal angefangen hatte. Immerhin schießt Christina nun bereits seit 15 Jahren. Als 11 jährige wollte sie ihrem älteren Bruder nur mal eben zuschauen, was der denn wohl immer so macht. Dass dieses gleich eine Deutsche Meisterschaft war, hatte das Mädchen nicht abgeschreckt, eher im Gegenteil. Denn als sie dort steht und zusieht, sieht wie die Jungs das Schießen mit Spaß und Freude meistern, sogar dabei treffen, da ist sie sich sicher: Was die können kann ich auch ;-)

Im Gespräch mit Christina Schäfer Sie war sich so sicher, dass es dann in den Folgemonaten auch unbedingt gleich und sofort, jetzt und hier losgehen musste! Das war im Dezember 93, ausgerechnet im Dezember. Denn weit und breit kein aktueller Jugendkursus in Sicht. Ihr Heimatverein, der RSG Düren hat sich aber trotz, oder gerade deshalb bestens um sie gekümmert. Oft waren es Trainer, die selbst aktiv schießen, manch einer ist auch gar nicht mehr dabei. Doch Werner Eismar, ein Trainer der ersten Stunde auf ihrem Weg, der lässt nicht locker, hat aus dem Mädchen von einst eine der besten deutschen Schützinnen geformt.

Dabei lächelt sie wieder. Denn die schönen Erinnerungen überdecken ein wenig die Trauer. Ich meine: Da haben die Dich als kleines Mädchen ja schön in’s kalte Wasser geschmissen. Sie lacht..., ja, das stimmt.

Dabei dreht sie sich zu ihrem Bogen um, will weitermachen. Ja, Christina, ich entlasse dich ja gleich, vor allem zu deinen neuen Wurfarmen. Da schwärmt sie bereits, wie schön weich die sich ziehen würden. Denn das ist wesentlich für einen guten Endzug. Ne bleib mal noch kurz, unsere Leser möchten bestimmt auch noch einiges zu Deinem Werdegang, auch zu Deinem hier und heute wissen.

Sie überlegt: Klar! Sooo lange ist das gar nicht her, dass sie den Sprung in den Bundeskader geschafft hat. Ups..., Ende 2004, na gut. Also seit 4 Jahren. Wir wägen ab, was wohl ihr größtes Highlight bisher war. Sicher, es gab da unzählige Erfolge bei Meisterschaften. Doch bei einem ist sie sich absolut sicher. Die Hallen-WM 2005 im Dänischen Aalborg, die war’s. Bereits in der Vorrunde während der Wettkämpfe ihre Führung, dann im Finale Bronze für Christina Schäfer, Genial! War es doch zugleich auch ihr erster großer internationaler Einsatz. Selbst, oder sagen wir besser, erst recht der Bürgermeister ihres Städtchens Düren kam zum Gratulieren, so wie viele auch. Denn die Heimatgemeinde steht voll uns ganz dahinter. Auch das Mannschaft-Bronze bei den Hallen-Europameisterschaften in Spanien 2006, ja, das gehört wohl auch zu den Highlights.

Im Gespräch mit Christina SchäferHeute wird die ausgebildete Gymnastiklehrerin als Sportsoldatin durch den Bund gefördert. Natürlich heißt es dabei, nicht von morgens bis abends stramm zu stehen. Ich schmunzele, irgendwie kommt mir da der Gedanke, wie wohl junge Rekruten vor der sympathischen Feldwebelanwärterin salutieren würden. Immerhin ist sie jetzt bereits Unteroffizier. Aber eher ist es der Bund selbst, der als Sponsor entsprechende Verpflichtungen abverlangt. So sind immer mal wieder Lehrgänge zu absolvieren. Sie zählt mir da einige Gewehrtypen auf, denn auch die Ausbildung an der Waffe gehört dazu. Ich gucke wissend, ja klar, G36 und so. Das einzige, was ich an Wissen beisteuern kann, ist dieser Leuchtpin beim Zielen. Schon neigt sich meine Fachkenntnis apruppt dem Ende zu, ich wechsle schnell das Thema...

...doch irgendwie bleiben wir dann doch noch beim Thema Sportsoldat, denn die sportliche Verpflichtung steht dort ebenso ganz oben. Und genau das kann und will sie ja auch. Training, um Leistungen zu bringen. Stationiert ist sie in Berlin. Passt auch ganz gut, denn der Bundesstützpunkt hier in den Einrichtungen des Sportforums Berlin bietet dafür beste Trainingsmöglichkeiten. Wie geschrieben, direkt nebenan befinden sich auch die Einrichtungen des Olympiastützpunktes. Dabei schaut sie wieder auf ihren dick verbundenen Arm. Ja, auch dabei hatte einer der Physiotherapeuten des OSP geholfen.

Direkt ein paar Meter weiter sind gerade Karina, Elena und Susanne mitten im Training, Lisa kommt in dem Moment rein. Die Mädels verstehen sich alle glänzend. Waren sie doch vor wenigen Tagen noch Gegnerinnen, denn die vier schießen ja im Bundesliga-Team Bergmann-Borsig. Christina hingegen für den Rheydter TV. Doch so ist das im Bundesstützpunkt.

Ups..., da schlägt der Zeiger um, 14 Uhr. Schwimmen ist angesagt...

 
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Spitzensportler vorgestellt
Autor:
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Wolfgang Schwarz (c)
 
 

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